Fake-Jobangebote: nur die Spitze des Eisbergs.

Wer schon einmal Bewerbungen geschrieben hat kennt das: auf viele Bewerbungen erhält man nie eine Antwort. Wie die Tagesschau jetzt meldet kann das auch daran liegen, dass das entsprechende Jobangebot nie existierte und man nur Daten von passenden Bewerbern sammeln will.

Im Beispiel verkauft der Anbieter die Bewerbungsunterlagen wohl weiter.

Ethisch und moralisch natürlich verwerflich, selbst wenn man bei elektronischen Bewerbungen wenigstens den Kostenfaktor vernachlässigen kann. Allerdings noch lange nicht das Ende, wie ich aus persönlicher Erfahrung berichten kann.

Selber habe ich auch schon folgendes Geschäftsmodell erlebt: ein ehemaliger Angestellter einer Zeitarbeitsfirma macht sich als Arbeitsvermittler selbständig. Er vermittelt exklusiv an seinen alten Arbeitgeber und streicht dafür die Vermittlungsprovision vom Arbeitsamt ein. Alle Stellenangebote dieser Zeitarbeitsfirma laufen erstmal über ihn.

Die Zeche zahlen natürlich wir alle, indem wir Arbeitsvermittler mit Vermittlungshonoraren belohnen die nicht mehr sind als eine ausgelagerte Recruiting-Tochterfirma des eigentlichen Arbeitgebers. Und alle Arbeitssuchenden ohne Vermittlungsgutschein – dass man bei solchen Leuten lieber gar nicht arbeiten will ist auch nur ein schwacher Trost, wenn man vom Arbeitslosengeld klarkommen muss. Auch, dass dieselbe Stelle manchmal mehrfach und somit von einem anderen Anbieter im System steht und man vielleicht darüber ohne Gutschein einen Fuß in die Tür kriegt.

Die Tatsache, dass jeder dahergelaufene Windbeutel Stellen bei der BA melden kann ist übrigens meiner Meinung nach ein unverzeihlicher Designfehler, wenn wir aussagekräftige Statistiken zum Arbeitsmarkt wollen. Denn tatsächlich hat die BA überhaupt keinen Überblick über offene Stellen, nur über die Anzahl der Stellenanzeigen in ihrem System.

Nun sind die Zeiten aber vorbei, wo eine offene Stelle vom letztendlich beschäftigenden Unternehmen selber an die BA gemeldet und besetzt wurde. Wir haben Zeitarbeitsfirmen, Recruitingfirmen, Arbeitsvermittler und wie jetzt bestätigt auch Adressensammler.

Man kann davon ausgehen dass jede tatsächlich existierende offene Stelle mindestens 2x veröffentlicht wird. Vielleicht sogar 3x. Genau wissen könnten wir es nur, wenn wir Stellenanzeigen eindeutig zuordnen könnten.

Beispielsweise, indem der finale Einsatzort verpflichtend erfasst werden muss und aufgrund dessen eine einzigartige ID vergeben wird.

Eisen-Karl GmbH in Rülpsdorf sucht 3 Schweisser? Das sind jetzt die offenen Stellen ABC1, ABC2 und ABC3. Wenn jetzt eine Zeitarbeitsfirma, ein Vermittler oder ein Recruiter eine Stellenanzeige im System der BA aufgeben will, muss er diese IDs angeben – da er die Schweisser ja nicht selber einsetzt, sondern zum Kunden Eisen-Karl schicken will. Egal ob Entliehen oder über Werksvertrag, der finale Einsatzort entscheidet.

Schön – aber aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt – wäre jetzt noch, wenn jede Stellenanzeige verpflichtend mit dieser ID zu kennzeichnen wäre. Aber da das nicht passieren wird, wollen wir es dabei belassen dass jeder Mittelsmann nur eine ID haben und angeben muss, wenn er die Infrastruktur der BA nutzen will.

Was wäre das für ein Traum, wenn man als Arbeitssuchender eine interessante Stelle findet, die ID suchen könnte und sich dann wahlweise beim Vermittler / Zeitarbeitsfirma / beim endgültigen Einsatzort bewerben könnte, je nachdem wo einem die Bedingungen eher zusagen. Übrigens einer der Gründe, wieso mindestens diese Kennzeichnung sicher bekämpft werden würde.

Natürlich bräuchte es Überprüfungsmechanismen um Mittelsmänner zu identifizieren und entsprechende Strafen bei Zuwiderhandlung. Natürlich würde es weiter Menschen mit krimineller Energie geben, die das System trotzdem irgendwie austricksen. Allerdings könnte man so verlässlichere Zahlen zu tatsächlichen Stellenangeboten erheben, was im Interesse aller Beteiligten sein sollte.

Sogar den potentiellen Beschäftigern könnte es helfen zu wissen, dass eben gerade nicht 150 alternative Stellenangebote auf den Bewerber warten, sondern nur 60.

Also, wenn hier einer in der Politik ist oder dahin gehen will, macht da mal was!

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