Nur ein bisschen krank

Die NW berichtet von einem furchtbaren Vorstoss des Marburger Bunds. Man mag gar nicht glauben, dass dort Ärzte sitzen sollen.

Künftig soll es Kranken also „ermöglicht“ werden, sich ganz offiziell nur einige Stunden pro Tag krank schreiben zu lassen. Ich betone das mit dem offiziell deswegen, weil es ja bereits gelebte Realität ist, dass halbwegs genesene Kranke weiterhin ihre Mails checken oder sonstigen Papierkram erledigen – also arbeiten.

Das wichtigste Argument dagegen ist natürlich erstmal: wenn man etwas ermöglicht wird es der Arbeitgeber auch fordern. Diese Regelung hilft keinem einzigen Arbeitnehmer.

Aber tun wir mal so als gäbs das jetzt schon. Wer haftet denn dann, wenn der Kranke doch noch nicht so fit war und Sach- oder sogar Personenschaden verursacht, auf der Arbeit oder auf dem Weg? Oder gar seine Gesundheit sich weiter verschlechtert bis hin zu bleibenden Schäden? Auf den Arzt wird der Marburger Bund das Risiko sicherlich nicht abwälzen wollen, wenn man dort nicht völlig den Verstand verloren hat.

Das muss dann ja, darf dann ja nur der Arbeitgeber sein, ansonsten wäre das ja eine Carte Blanche. Lass den doofen Krüppel doch antanzen und noch ein paar Aufträge wegkloppen, wenn was passiert zahlt es ja die Solidargemeinschaft.

Von der Haftungsfrage abgesehen, in welchen Fällen ergibt sowas überhaupt Sinn? Okay, bei meiner letzten Grippe ging es mir zum Ende hin morgens eigentlich immer ganz gut. Aber ist es deswegen sinnvoll, wenn ich mich neben die Kollegen im Büro setze?

„Keine Sorge, laut Arzt bin ich morgens gesund genug zum Arbeiten – ist sicher nicht ansteckend! Erst Nachmittags wieder!“

Ich denke wir können uns drauf einigen dass die meisten ansteckenden Krankheiten schon mal wegfallen, und damit nach meiner Empfindung die Mehrheit. Viren und Bakterien. Grippe und die gemeine Rüsselseuche.

Was bleibt da groß noch?

Knochenbrüche, Zerrungen usw? Auf meiner Arbeit humpelt jetzt schon ein Kollege mit Beingips rum, offensichtlich kann man sich da bereits gesund melden, wenn man es unbedingt will. Ist für einen Büromensch in dem Fall natürlich einfacher als für einen der körperlich arbeitet.
Schlaganfälle und Infarkte? Hat auch gerade erst ein Kollege gehabt, war überhaupt kein Problem erstmal Teilzeit zu machen bis er sich fitter fühlt.

Fassen wir nochmal zusammen – in den meisten Fällen macht die Einführung von „Teilzeitkrank“ wenig Sinn. Chronische Krankheiten können wir komplett ausklammern, dort kann man bereits jetzt „Teilzeitkrank“ sein – das nennt sich dann „vermindert Erwerbsunfähig“. Bleiben nur die nicht-chronischen, nicht-ansteckenden Krankheiten, in Jobs wo das erkrankte Körperteil nicht unbedingt gebraucht wird, wie zum Beispiel der Kopf bei manchen Funktionären.

Ich sehe wirklich nicht wem das helfen soll, außer Arbeitgebern die ihre Personaldecke so kaputtgespart haben dass selbst der kurzfristige Ausfall von Schlüsselpersonen erhebliche negative Konsequenzen auf den Betriebsablauf hat.

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