They had it coming.

„He had it coming“ sagt der Angelsachse und meint damit, dass jemandem etwas passiert was dieser jemand auch verdient hat. Man ahnt schon, dass dieses „etwas“ dass da passiert meistens etwas negatives ist.

Nun wurde bei den Wahlen in den USA also wohl Trump zum Präsidenten gewählt. Zumindest wenn nicht plötzlich noch jemand ein Kaninchen aus dem Hut zaubert. Heulen und Zähneknirschen bei den Anhängern Clintons, Jubel bei den Anhängern Trumps -und ich schreibe hier absichtlich von den Anhängern der Person, statt nach Demokraten und Republikanern aufzutrennen. Denn so klar verliefen die Trennlinien bei dieser Wahl nicht.

Sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten gab es viele, die mit dem jeweiligen Kandidaten… naja… nicht ganz glücklich waren. Bei einer so schillernden und kontroversen Person wie Trump überrascht das vermutlich niemanden so wirklich.

Auf Seite der Demokraten wiederum legte man sich ein erstes kolossales Ei mit der Verschwörung gegen Bernie Sanders. Nun ist Politik bekanntlich ein schmutziges Geschäft, nicht umsonst gibt es den Witz von „Feinden, Erzfeinden und Parteifreunden“ – aber dennoch gilt das elfte Gebot: Du sollst dich nicht erwischen lassen.

Aber Hillary und der DNC wurden erwischt. Ob es an Hillarys verbürgt sorglosem Umgang mit Emails lag, oder tatsächlich an bösen russischen Hackern? Jedenfalls war Clinton dadurch wieder um einen Skandal reicher und nicht nur die Anhänger von Sanders mussten einfach das Gefühl bekommen, dass Trump vielleicht ein schmieriger populistischer Schreihals ist, aber Clinton dafür eine skrupellose Intrigantin.

Der Bitlefelder tummelt sich auch auf Seiten und in IRC-Chats, die einen veritablen Anteil von Nutzern US-amerikanischer Herkunft haben. „Backstabbing C*nt“ war dort noch nicht einmal die unfreundlichste Bezeichnung, die man für Hillary übrig hatte. Und je näher die gestrige Wahl rückte, umso mehr zeichnete sich dort eine große Ratlosigkeit ab angesichts der Auswahl zwischen einem populistischen Schreihals und einer skrupellosen Intrigantin. Menschen, die sich selbst stolz als „liberal democrats“ bezeichneten, konnten sich nicht zur Wahl des demokratischen Kandidaten überwinden – auch wenn dies natürlich einen Vorteil für Trump bedeutete.

Nun hat Trump gesiegt. Wir werden sehen, was das für uns bedeutet. Manche Zeitungen schreiben von einer „historischen Herausforderung für die Demokratie“ und meinen das Wahlergebnis.

Persönlich bin ich der Meinung, dass die historische Herausforderung für die Demokratie bereits viel früher stattfand – und versemmelt wurde. Die historische Herausforderung für die Demokratie wäre es gewesen, nach Bekanntwerden der Verschwörung gegen Bernie Sanders das Ansehen des DNC wiederherzustellen. Wie man das nach solch einem Skandal hätte erreichen können, damit bin allerdings auch ich überfragt.

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