Pragmatismus vs. Dogmatismus

Interessanter Artikel bei der Sueddeutschen – nicht unbedingt der Gegenstand des Artikels an sich, aber die dort offenbarte Geisteshaltung.
Es geht um Pinkeln in der Öffentlichkeit und ein neues Produkt, das dieses verhindern soll: ein Blumenkasten mit eingebautem Urinal, grob zusammengefasst.

Der oder die Autorin argumentiert, so werde das Pinkeln in der Öffentlichkeit gefördert. Das sei aber unzivilisiert und ein Zeichen schlechter Kinderstube.

Nun mag es durchaus Menschen geben die nichts dabei finden ihr Wasser an der nächsten Hauswand oder sonstwo abzuschlagen. Ich persönlich habe sowas bisher ja nur in Notfällen getan, meistens weil eben die Blase drückte und mangels verfügbarer Toiletten als Alternative nur blieb, mir in die Hose zu machen. Was ich nun wiederum weder als zivilisiert, noch als Zeichen einer guten Kinderstube betrachte. Sonderlich wohl war mir dabei nie, und auch andere Wildpinkler die ich in meinem Leben bisher gesehen habe bemühten sich meist darum, in weniger einsehbaren Ecken ihr Geschäft zu verrichten – was man als Indiz werten kann, dass auch diese über ein gewisses Schamgefühl und Unrechtsbewusstsein verfügten.

Aber gut, lassen wir mal dahingestellt sein ob die Mehrheit der Wildpinkler einfach faul und rücksichtlos ist, oder doch einfach in einer akuten Zwangslage steckt(e). Es bleibt eine unbestreitbare Tatsache, dass wild gepinkelt wird – und gerade in urbanen Umgebungen ist dies ein Ärgernis, zumal es sich eben auf bestimmte Ecken konzentriert und aufgrund versiegelter Böden nicht mal eben schnell versickert.

Sicherlich wäre es wünschenswert und für alle Beteiligten schöner, wenn gar nicht mehr wild gepinkelt wird. Aber das wird vermutlich nicht passieren, nicht zuletzt da kostenlose öffentliche Toiletten mittlerweile äusserst rar geworden sind – hier in Bielefeld, im Bereich der Innenstadt, kenne ich nur eine einzige, und die gehört zur Restauration in der VHS und hat nur während der Öffnungszeiten besagter Restauration geöffnet. An den meisten Autobahnrastplätzen (wohlgemerkt: nicht Raststätten) gibt es gar keine mehr, dementsprechend sehen die Randbereiche dieser Parkplätze aus.

Da finde ich es persönlich ja besser, wenn man für solche Notfälle eben eine Lösung vorhält – mag diese Lösung auch ziemlich provisorisch sein. Mit dem erhobenen Zeigefinger einen Vortrag über Kinderstube, Zivilisation und den Bußgeldkatalog anzusetzen halte ich hingegen eher für wenig hilfreich.

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